Pharisäer-Cup 2013

Jörg Horn gewinnt den Pharisäer -Cup 2013.

Am 17. und 18. August haben wir unseren Pharisäer-Cup ausgesegelt.

Dieses Jahr hatten 21 Cats den Weg nach Ascheberg gefundenund ein tolles Regattawochenende erlebt.. Neben der Gesamtwertung konten wir die A-Cat und Top-Cat K3 als Klassen werten. Bei Samstag eher moderaten und Sonntag stärkeren Winden haben wir wunderbar 6 Läufe gestartet.

Wie immer fand der letzte Lauf am Tresen statt und dem Autor ist es leider, aus Rücksichtnahme, nicht möglich, hier einen Zieleinlauf zu benennen und eventuelle Proteste entgegenzunehmen.

Ein besonderer Dank geht an unseren Wettfahrtleiter Sven Wuschke, der alles bestens im Griff und super organisiert hatten.

Nicht vergessen möchten wir alle lieben Helfer- und Helferinnen an dem Bierwagen, dem Grill, der Salatbar etc. welche unermündlich geschuftet haben, um uns dieses tolle Segelwochenende zu ermöglichen.

Wir freuen uns schon jetzt auf den Pharisäer-Cup im nächsten Jahr und hoffen, dass Odin und alle Segler uns auch dann wieder gewogen sind.
Bilder findet ihr hier: Bilder des Pharisäer Cup 2013

Die Ergebnislisten : Gesamtwertung (pdf) , A-Cat (pdf) , Topcat-K3 (pdf)

Ein toller Bericht von Michael:

Vom Leid zur Euphorie - Mein Kurswechsel beim Pharisäer-Cup 2013


17.08.2013 - Meine erste Regatta im Leben. Sie startet für mich an einem sehr frühen Samstagmorgen. Innere Unruhe, und obwohl sich vermutlich so mancher Segler noch in der Tiefschlafphase befindet, stehe ich als erster auf dem Clubgelände am K3 und ziehe Leinen, drehe Schäkel fest.

Stunden später: Steuermannsbesprechung. Ohje... Ich habe nur die Hälfte verstanden. Das macht aber nichts, denn nachdem ich bei zwei „Profis“ nochmal nachfragte, welche Bojen die II und die III sind, erhalte ich drei verschiedene Antworten und habe sofort mein Grinsen wieder. Doch alles nicht so schlimm, wat?

Der erste Start steht an. Die „5 Minuten“ werden angezeigt. Welchen Kurs ich nach der Startlinie segeln will, habe ich mir überlegt und so lege ich meinen K3 erst einmal bei. Doch ist die Zeitplanung für den Anlauf zur Startlinie so dermaßen daneben, dass ich nach dem „Anschuss“ gefühlte weitere fünf Minuten brauchte, um sie zu überqueren. Na, klasse...

Und so geht es lustig weiter. Trotz sorgfältigem Auftakeln kann ich den Reacher nicht richtig setzen, da sich die Schot in einer gespannten Gummileine festsetzt. Worst case! Also: Großsegel aufmachen und wie ein Einjähriges auf dem Luvrumpf nach vorn krabbeln, um die Gummileine zu lösen. Da ich sie jedoch gleich wieder einhake, muss ich nach wenigen Minuten aufgrund einer Halse und dem Seitenwechsel des „Spi“ gleich wieder rauskrabbeln auf den anderen Rumpf. Jaaa, natürlich habe ich die Gummileine dann hängen lassen. Bin ich blond?!
Um es kurz zu machen: Insgesamt muss ich wegen Reacherproblemen viermal „raus“. Schon mal bei 3 Bft, gezogenem Reacher und Einhand an Bord ganz vorn zwischen Rumpf und Spi-Baum gehangen? Nein, das ist nicht wirklich lustig...

Bereits nach ca. 15 Minuten sind die übrigen Boote so viele Kilometer voraus, dass ich ersten Frust schiebe. Ich segle dann letztlich wohl 20 Minuten nach dem letzten Kat über die Ziellinie und schäme mich schon gewaltig. Gern wäre ich unter eine Decke gekrochen oder hätte mich totgestellt...

Drittes Race: Guter Start, und der Wind hat zugenommen. Auf dem zweiten Schlag, Richtung Luvboje, werde ich dann übermütig und steige ins Trapez. Die dritte Böe ist es dann: Der K3 steigt und steigt, doch ich bekomme die Großschot nicht aus der Klemme. Mangels „Kreuzkoordination“ im Hirn vergesse ich das Anluven ...und platsch, der Kat liegt auf der Seite. Ich rutsche somit fix vom nunmehr senkrechten Trampolin ab und spüre noch einen kräftigen Schlag am Kopf. Egal - im „Nass“ angekommen schnell die Schot aus der Klemme ziehen und flugs auf die Rumpfspitze stellen, um den Kat in den Wind zu drehen. Aber denkste – nix passiert. Mit den netten Jungs vom DLRG - den Mast anhebend - bekomme ich den Kat dann doch hoch. Und dann Erblicke ich das Drama: Mein Pinnenausleger hat sich zwischen Want und Trapezdraht verklemmt und ist nunmehr verbogen. Man, bin ich satt!! Schluss -Aus- Ende. Keine Regatta mehr! Ich segle zum Club, um bei einem gelben Kaltgetränk meine 200bar Innendruck zu relativieren...

Die Wende an Land...
Jens ist ebenso frustriert wie ich. Er ist gleich im ersten Race ausgestiegen. Wir schnacken kurz über das am heutigen Tag Erlebte und beschließen einen folgenreichen Plan: Morgen segeln wir gemeinsam auf dem K3! Die Regattaleitung willigt ein und unsere Stimmung hebt sich sofort.
Abends, bei der Party, biegen wir den mit Sand verfüllten Alu-Pinnenausleger zurück (Danke Bodo!).

Tag 2. Sonntag... „Moin Jungs – schon gesehen, der Wind wird fett heute“. „Jupp, wissen wir. Egal...“. Später wird man von Windstärke 5 mit Böen um 6 sprechen...

Bereits beim Ansegeln zum Startboot wird mir klar, dass heute sprichwörtlich „ein anderer Wind weht“. Trotz weit geöffnetem Groß zischen wir förmlich Richtung Startlinie, die Wellen kommen quer rein und schaukeln das Boot bereits gut auf. Jens kann seinen Adrenalinpegel kaum noch verbergen, doch ich werde immer ruhiger und nachdenklicher. Meinen letzten Respekt erhält der See, als ich bemerke, dass ich mich beim Beiligen in Nähe der Startlinie an Bord gut festhalten muss. Egal – wir ziehen das jetzt durch, oder Jens?!

Anschuss! Der Start klappt super, doch fallen wir zunehmend zurück. Jens und ich sind noch nicht eingespielt. Am Wind segelnd merke ich bereits, immer weiter abfallen zu müssen, um überhaupt Vorwärtsfahrt zu ermöglichen. Mist, ich kann die Höhe nicht halten. Das Crewgewicht??
Erste Wende. Mit etwas Tiefe zur Boje I - und Druck und Speed nehmen zu. Jens steigt raus ins Trapez. Wir sind um die Luvboje herum und nun auf dem „Flieger“. Also Traveller raus und... wow, die Post geht ab. Wir halten die Distanz zu den anderen Kats diesmal unerwartet gut. Plötzlich deckt die Insel Ascheberger Warder ab und der Segeldruck fällt schlagartig. Jens, noch im Trapez, taucht unvermittelt ins Wasser ein und ich habe meinen ersten Lacher.
Wir halsen mittlerweile um Boje II und nehmen sofort wieder Fahrt auf. Doch gegen dieses Tempo war der letzte Schlag gar nichts! Trotz unserer knapp 160 Kg Crewgewicht rennt der K3 los wie angestochen. Wir quatschen permanent aufeinander ein und freuen uns wie kleine Kinder... was für eine Stimmung an Bord! Ja, wir sind wieder letzter Kat geworden, na und ?

Zweites und letztes Race: Super Start, und aus dem letzten Rennen weiß ich, dass ich hier sofort wenden muss, will ich nach vorn. Der Wind hat weiter stark zugenommen, und ich brülle Jens zu fix ins Trapez zu gehen. Ich spüre sofort: Der K3 will spielen! Er bäumt sich auf und rennt los. „Jens, wo ist die Boje, wo ist sie? Wenden?“ „Nein, noch nicht, weiter...“ „Jetzt!“ … Die Kommandos werden wegen des starken Windes immer lauter und hektischer. Doch mit jedem Meter werden wir immer eingespielter; unsere Wenden klappen zunehmend besser und wir haben bereits den ersten Kat abgehängt. Los, jetzt den zweiten...

Boje I ist hinter uns. Doch dieses mal will ich aus der Abdeckung der Insel raus und nehme nicht den direkten Kurs zur Boje II sondern segle in einem weiten Bogen. Und es geht auf: Der K3 bürstet die Wellen und hält seine Fahrt konstant bis zur Boje. Mittlerweile haben wir drei Katamarane hinter uns und das spornt uns weiter an. Jetzt wollen wir was!! Auf dem Kurs zur Boje III bekommen wir wieder den stärksten Winddruck und die höchsten Wellen. Etwas voraus ein
A-Cat... Hey... können wir das schaffen?
Jens kann sich draußen im Trapez kaum noch an Bord halten und auch ich hänge mich dank der Fußgurte weit hinaus. Wir haben eine Heckwelle wie ein Jetski, und immer wieder will der K3 mit dem Leebug eintauchen. Doch nix da! „Jens zu mir, … Jens nach vorn“... wir gehen aufs Ganze und der K3 tobt – ist kaum noch zu bändigen. Noch 300m bis zur Boje III und wir sind auf Höhe des A-Cat. Sekunden später gehen beide Kats zeitgleich um die Wendemarke. Doch wir können nicht so hoch segeln wie er und ich verpatze dazu die letzte Wende zur Ziellinie. Er hat es damit um ein paar Meter geschafft...Wir sind über die Ziellinie und diesmal wahrlich nicht letztes Boot...

Doch mein Kopf, meine Gefühle sind bereits ganz woanders. Was für ein toller Ritt!
Was für geniale 90 Minuten Leben haben Jens und ich gerade hinter uns gebracht. Wir sind noch nie zusammen gesegelt und haben gemeinsam bei diesem - für uns Regattaneulingen - heftigem Wetter eine Team-Leistung erbracht, die wir allein so ganz bestimmt nicht geschafft hätten. Das ist, was für mich in diesem Moment zählt. Das ist das Glück und die Zufriedenheit, welche man dann an Bord teilt und das sich in einem solchen Moment tiefer ins Bewusstsein ritzt als jeder Pokal oder gute Einzelplazierung...

Gemeinsam ist man wirklich mehr …
Seit heute weiß ich: Katsegeln ohne „meinen“ (!) Club kann ich mir schwer vorstellen.

Gruß
Michael (#922)